Den Osterhasen kennen die Italiener nicht

Osterzeit in Italien – das ist noch heute stärker als beispielsweise in Deutschland ein kirchliches Fest und zugleich ein Fest, das als eigentlichen Feiertag den Ostersonntag kennt: Karfreitag ist ein Werktag, der Ostermontag dem Familientreff gewidmet. Doch die gesamte Karwoche ist religiös geprägt. Traditionell geht in ganz Italien an den Tagen vor Ostern vor allem in den ländlichen Gebieten ein Priester von Haus zu Haus und segnet die – unbemalten und nicht gekochten Eier – als Zeichen der Fruchtbarkeit und des Wiedererwachens der Natur. Den Osterhasen kennen die Italiener nicht: Die gesegneten Eier werden im Haus in der Mitte des Tisches dekorativ ausgebreitet oder sogleich für die Ostertorte verwertet.

In Taranto gibt es drei Prozessionen

In den verschiedenen Regionen des Landes sind sie unterschiedlich ausgeprägt, entsprechend der unterschiedlichen Traditionen – aber insgesamt sind die Karfreitag-Prozessionen ein prunkvoller wie religiös-inniger Höhepunkt der Karwoche. So wird in Assisi in der Abenddämmerung des Karfreitag ein großes Kreuz durch die Gassen zur Basilika des Heiligen Franziskus getragen; in Taranto ganz unten im Süden des Landes gibt es über Ostern hinweg sogar drei Prozessionen: An Gründonnerstag, Karfreitag und am Ostermontag. Langsam, schleppend zieht dann der Zug durch die Stadt.

Die Prozessionen erinnern an die spanische Herrschaft im 16. Jahrhundert. Im sizilianischen Trapani hingegen gibt es die wohl aufwendigste Prozession. Diese „Processione die Misteri dauert 20 Stunden und führt durch die gesamte Stadt. Schlicht, aber nicht minder andächtig, geht es in den kleinen Bergdörfern am Südhang der Alpen zu: Die Menschen haben dann in den Gassen am Prozessionsweg, vor den Türen und Scheunentoren, schlichte Tischchen mit Devotionalien aufgebaut; sie markieren die Leidensstationen Christi.

Im Mittelpunkt stehen das Osterlamm und die Colomba

Natürlich wird in Italien zu Ostern üppig geschlemmt. An Karfreitag selbst gibt es traditionsgemäß Fisch, aber dann entwickelt sich auch kulinarisch aus dem religiöse Oster- ein fröhliches Frühlingsfest. Es wird fürstlich und ausgiebig gegessen. Im Mittelpunkt steht natürlich das Osterlamm, in Süditalien wird der traditionelle Reiskuchen offeriert und zum Dessert wie auch zum Kaffee gibt es die Colomba, einen taubenförmigen Topfkuchen mit kandierten Früchten, Mandeln und Rosinen. In der Konsistenz ähnelt er dem weihnachtlichen Panettone.

Mit einer ganz besonderen Spezialität wartet man in Ligurien auf: Hier wird eine keinesfalls süße Ostertorte kredenzt, die wahrscheinlich arabischen Ursprungs ist. Diese „torta pasqualina“ ist eine blätterteig-ähnliche Ostertorte aus 33 dünnen Schichten mit einer Füllung aus Mangold, Eiern und einem quarkähnlichen Käse. Süßes gibt es in ganz Italien für die Kinder in grellbunter Verpackung – nämlich große und riesengroße Schokoladen-Eier – sehr oft sind es Eier mit überraschendem Inhalt.
Der Ostermontag schließlich, in Italien Pasquetta genannt, wird vor allem von der Jugend zum Ausflug in die Campagna genutzt, zum Picknick im Grünen. Damit ist der Frühling endgültig eingeläutet.

Teaserbild: Frank, flickr.com, CC BY-SA 2.0



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