Kloster Altenberg bei Wetzlar – ein Kleinod

Die beiden letzten verbliebenen Schwestern, beide mehr als 70 Jahre alt, haben das Kloster verlassen. Jetzt liegt die Anlage still auf einem Bergrücken oberhalb der Lahn unweit von Wetzlar: Das Kloster Altenberg, zuletzt Heimstatt der „Königsberger Diakonie der Barmherzigkeit“, wartet auf eine neue Zukunft. Dafür hat es eine reiche, eine bewegte, auch eine düstere Vergangenheit, die in das 12. Jahrhundert zurückreicht.

Foto: Wikiwal

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Gertrud gründete zwei Siechenhäuser

Nach ersten schriftlichen Aufzeichnungen gehörte der Altenberg zum Besitz des Klosters Rommersdorf bei Neuwied am Rhein. Berichtet wird von einem wandernden Priester mit dem Namen Gottfried, der den Abt von Rommersdorf um die Entsendung von Ordensfrauen auf den malerischen Hügel nahe Wetzlar gebeten hatte. Das alles spielte sich um 1170 ab. Das bald entstandene Kloster blühte rasch auf, vor allem unter der Obhut von Gertrud, der Tochter der Heiligen Elisabeth. Wie ihre Mutter in Marburg half sie hier den Armen, pflegte die Kranken. Das Kloster wurde zu einem festen sozialen Stützpunkt an der Lahn, befördert durch zahlreiche Schenkungen. Gertrud, die später selig gesprochen wurde, gründete auf dem Altenberg zwei Siechenhäuser. Sie starb im damals hohen Alter von 70 Jahren – auch wenn das Relief auf dem Grabmal sie jugendlich, im Alter von 33 Jahren, zeigt.

Im 30-jährigen Krieg 60-mal geplündert

Im Lauf der Jahrhunderte ist die Geschichte dieses Klosters nachgerade zu einem Spiegel wechselvoller Entwicklungen auf deutschem Boden geworden: Im 30-jährigen Krieg wurde es rund 60-mal geplündert, von wechselnden Kohorten. Dann kam die Reformationszeit: Die Menschen in diesem Gebiet wurden evangelisch, das Kloster blieb katholisch, und seine Bewohner vereinsamten, wurden „geschnitten“. Im Jahr 1802 kam die Anlage aus kirchlichem in profanen Besitz. Sie wurde enteignet und den Fürsten zu Solms-Braunfels zugeschlagen, die das Kloster zur Domäne und zur Sommerresidenz machten. Und wie es dabei so geht: Wertvolle Kunstgegenstände wurden fortgeschafft: Teile des Flügelaltars aus 1330 können heute im Schloss Braunfels bewundert werden; Gemälde aus dem Kloster sind im Besitz des Frankfurter Städel-Museums – andere sind in die Vereinigten Staaten und nach Russland „ausgewandert“.

Wallfahrten zu Gertruds Grab

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster zeitweise zu einem Kinderheim; auch ein Altenheim war dort untergebracht. 1952 brannte es aus, wurde wieder aufgebaut und im Jahr 1955 von den Königsberger Diakonissen gepachtet, die im Jahr 1948 Königsberg – das jetzt Kaliningrad hieß – hatten verlassen müssen und sich fortan im Westen Deutschlands niederließen. Heute hat sich die Zahl der Diakonissen stark verkleinert, sie sind überdies überaltert, Nachwuchs findet sich kaum. So mussten sie, vor allem auch aus finanziellen Gründen, jetzt auch das Kloster Altenberg verlassen, das nun ein wenig dahindämmert. Hin und wieder werden dort Konzerte, auch Lesungen veranstaltet, es gibt Wallfahrten zum Grab der Seligen Gertrud, in der Klosterkirche Einblicke in eine reiche Vergangenheit. Die Zukunft steht in den Sternen.

Teaser-Foto: Cherubino, wikimedia, CC BY-SA 3.0



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